Warum bin ich so, wie ich bin ?

Die letzten Wochen waren anstrengend. Es gab viel zu tun und wenig headspace für die Dinge, die mir in meinem persönlichen Leben wichtig sind. Und immer dann, wenn ich aus mir heraus dafür keine Zeit finde, kommt etwas von außen auf mich zu, das mich innehalten lässt. In diesem Fall die Frage:

Wie wurden Sie so, wie Sie sind?

Da ging das Gedankenkarussell erstmal in Overdrive. Wie bin ich denn überhaupt? Aber das war ja nicht die Frage, also das erstmal bei Seite schieben.

Versuch Nr 1 meine Gedanken zu strukturieren: Historische Abfolge… aber das funktioniert nur bedingt, wenn man fast ein halbes Jahrhundert auf dem Buckel hat und oft selber bestimmt DInge schon vergessen hat.

Versuch Nr 2: Bücher die ich gelesen habe und die mich beeinflusst haben. Auch viel zu viele.

Versuch Nr. 3: die Menschen, die mich begleitet haben und noch immer begleiten. Da kommen wir der Sache schon etwas näher…

Versuch Nr. 4: Woran glaube ich? Ah, das scheint überschaubar zu werden. Also fangen wir damit an.

Ich glaube nicht an Gott, aber ich glaube daran, dass es eine Kraft im Universum gibt, die uns unsere Fragen beantwortet, auch wenn wir die Antwort nicht immer mögen.

Ich glaube auch daran, dass es etwas gibt, dass ich “Kreise schließen sich” nenne.

Und zu guter letzt: Geht nicht gibt’s nicht.

Lehrer haben mich geprägt

Ich könnte hier viele Beispiele bringen, aber eines hat sich in mein Gehirn eingebrannt.

Als ich in der 7. Klasse war, ließ uns unser Klassenlehrer 280 km durch den Schwarzwald wandern, mit Rucksack und Zelt. Niemand von unseren Eltern dachte, dass wir es schaffen würden, aber wir kamen glücklich und pünktlich in Basel an. Ein Erlebnis, das mich bis heute trägt (und meine Liebe zu langen Wanderungen erklärt). Ich bin mit dem Selbstverständnis aufgewachsen, dass es immer eine Lösung gibt. Deshalb liebe ich Mathematik. Manchmal sind die Wege zur Lösung etwas umständlich, aber es gibt sie.

Brother (sister) from another mother

Meine Ursprungsfamilie war ein Desaster. Meine Familie sind die Menschen, die mich in ihr Herz geschlossen haben und mir ihre Türe öffnen.

Ein Teil meiner Familie ist meine beste Freundin. Wir kennen uns seit nunmehr 37 Jahren und sind durch dünn und dick miteinander gegangen. Zweimal durfte ich ihre Trauzeugin sein und einmal lehnte ie es ab, meine zu sein und das war der größte Freundschaftsbeweis, den ich mir erhoffen konnte.

Als ich meine Banklehrer abbrach und anfing Japanisch und Politikwissenschaft zu studieren, ohne viel Geld zu haben und ohne die Unterstützung meiner Familie, verließ ich mich auf mein Gefühl und habe überhaupt nicht mit der Möglichkeit gerechnet, dass es nicht gehen würde. Rückblickend ein wenig verrückt, aber konsequent.

Die Frage die ich damals und auch heute noch an das Universum stellte und stelle, ist wer begleitet mich auf meiner Lebensreise und die Menschen, die mir dadurch begegnen sind ein Teil meines Lebens. Sie haben mich durchgefüttert und beheimatet, zu mir gestanden und mir ihre Hängematten, Kühlschränke und Waschmaschinen überlassen. Mich zur “honorary” Großmutter ernannt und mir ihre Liebe und Sorge um meinen unsteten Lebenswandel entgegengebracht. Sie freuen sich mit mir und leiden mit mir und waschen mir gehörig den Kopf, wenn ich mal wieder nur Blödsinn von mir gebe.

Perspektivenwechsel

Und dann kam Japan. Ich war in einer anderen Welt und alles war neu und anders und ich verstummte. Ich wollte perfekt sein bevor ich mich mit jemandem unterhalten würde, also blieb mir lange nur das Schweigen und Beobachten und Kommunizieren auf eine ganz andere Art. Mit dem Herzen. Mit Dankbarkeit für all die wunderbaren Dinge, die mir ermöglicht wurden.

Das Leben ist schön, auch wenn es mal richtig scheiße ist!

Mein Leben war nicht immer nur schön. Es gab viele Momente in denen es auch richtig ätzend war. Gescheiterte Beziehungen, Scheidung, Job ätzend, Menschen die mir wichtig waren starben und dann immer wieder mein Perfektionismus, der so gar nicht mit meinem chaotischen Lebensstil zusammenpassen wollte. Kindheits- und Jugendtraumata und der Selbstzweifel und die Frage warum Menschen mich mögen oder ob sie mich überhaupt mögen können. Gefangen in einer oder mehreren Gedankenschleifen. Zu intensiv für mein Gegenüber und ein Sturkopf wie er im Buche steht.

Und manchmal bin ich auch einfach nur ärgerlich oder wütend auf mich, auf meine Umwelt, auf die Welt als Ganzes.

Und trotzdem gab und gibt es immer das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Ein Lächeln, eine Geste, eine Frage die mich zu tiefst berührt. Begegnungen die mich dankbar sein lassen, eine Umarmung und das Wissen, dass mein Handeln im Kleinen die Welt im Großen verändern kann.

Mindfulness

Aber wie kommt man da hin?

Je älter ich wurde umso wichtiger wurde es für mich im Gleichgewicht mit mir und meinem Denken und Fühlen zu sein. Das war eine ganze zeitlang komplett aus der Balance. Meditation, Yoga und Pilgern hat mir geholfen bei mir anzukommen und mich bewußt für einen Lebensweg zu entscheiden. Das funktioniert für mich, für jemand anderen ist es vielleicht der Halbmarathon oder in einem Chor zu singen. Wieder jemand anderes braucht vielleicht nur ein paar Stifte und Papier oder einen Rechner um etwas zu programmieren

Jeder muss für sich herausfinden was sie oder ihn bei sich bleiben lässt, damit man bei den anderen sein kann und das passiert nicht auf einmal. Es gibt oft Umwege, die auf den ersten Blick unnötig erscheinen, aber dann im Rückblick einen Kreis schließen.


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