Von fahrenden Brotdosen, Regenschirmkondomen und einem deutschen Dorf

Die letzten zwei Wochen gab es immer wieder diese kleinen Momente, in denen ich mir nicht sicher war, ob ich in einen Lachkrampf ausbrechen sollte oder nicht. Natürlich kennt jeder die berühmten japanischen Toiletten, von denen ich mir nicht immer sicher bin, wie so manch meiner lieben Freunde reinpassen soll, ohne entweder stecken zu bleiben oder eine klaustrophobische Panikattacke zu bekommen.

Viel subtiler sind manch andere Dinge Im Alltag der Japaner, die mich immer wieder wundern lässt, obwohl ich natürlich weiß aus welcher Notwendigkeit heraus sie entstanden sind.

Fangen wir mit der Kreuzung von zwei japanischen Lieblingsgegenständen an. Das eine ist die 🍱 bento Box (Lunch- oder Frühstückbox). Oft ein Kunstwerk von außen, wenn auch vielleicht kitschig pinkfarben, und je nach Talent der Mutter (Ja, ist nun mal so) auch ein Kunstwerk von innen. Es ist nicht unüblich, dass unter stay at home mums wahre Wettbewerbe entstehen, wer das kunstvollste bento zubereiten kann und ganze Kochbücher sind diesem Thema gewidmet.

dann ist da das Fortbewegungsmittel Nr. 1: Das Auto. Nun sollte man ja meinen, da es in Japan eh schon so wenig Platz gibt und ein wirklich gutes Nah- und Fernverkehrskonzept, dass man das Land nicht auch noch mit Blech und Plastik zuparken muss. Aber weit gefehlt. Laufen ist uncool.

Ich weiß nicht wer den Trend in der japanischen Autoindustrie begonnen hat, jedenfalls habe ich das Gefühl auf den Straßen unentwegt von Brotdosen in allen Pastellfarben dieser Welt überholt zu werden und manches mal schon hätte ich sie zu gerne aufgemacht, um zu sehen was Leckeres drin ist.

Die Regenschirme dagegen sind eigentlich ein alter Hut.

Man braucht sie, insbesondere in der Regenzeit, da geht kein Weg dran vorbei. Aber da man sie auch gerne irgendwo liegen oder stehen lässt, sind sie aus Plastik, mäßig lange haltbar und überall billig zu erstehen.

Nun hat eigentlich jeder, der nicht, aus welchen Gründen auch immer mit dem Auto von Tür zu Tür gelangt, einen solchen Regenschirm. Nur um kurz die Dimensionen deutlich zu machen: Stellt euch die Hälfte aller Berliner nur im Bezirk Kreuzberg vor, also sowas wie Karneval der Kulturen, mit Regenschirm und natürlich dem dazugehörigen Regen. Ziel ist es natürlich in ein Restaurant oder eine anderer Lokalität, z.B ein Museum zu gelangen, ohne vorher jemanden erstochen zu haben, aber auch ohne den Laden direkt zu fluten. Es gibt da drei Variationen.

Die erste ist die einfachste und uns Europäern durchaus vertraut. Ein Behälter, in den man das Ding stellen kann, idealerweise überdacht. Einziges Problem, es

ist draußen und alle Regenschirme sehen gleich aus. Zu erinnern welcher Regenschirm einem gehört, ist nicht immer ganz einfach.

Variante zwei ist ziemlich sophisticated. Es gibt abschließbare Regenständer. Man drückt den Regenschirm rein, es macht „klack“, der Schirm ist gefangen und kann nur durch den dazugehörigen Schlüssel, der bei „klack“ freigegeben wird, wieder befreit werden.

Die dritte Version ist ein Faszinosum der besonderen Art. Die Regenschirm-Kondom-Anziehmaschine, damit man sein gutes Stück mit reinnehmen kann (pun intended). Es löst zwar das Problem mit dem Wasser, aber leider nur durch zusätzliches Plastik. Trotzdem irgendwie kultig. Nein, ich fange jetzt nicht an über eine ähnliche Maschine für richtige Kondome nachzudenken.

Und zumindest für heute zuletzt ein Ausflug in die Geschichte.

Deutschland und Japan verbindet sehr viel, nicht nur dass sie zusammen mit Italien die „Achsenmächte“ bildeten, sondern beide ersten kaiserlichen Verfassungen wurden von dem selben Mann betreut: Hermann Roesler. Laut sagen darf man das natürlich nicht, denn schließlich war es ein Geschenk des Tenno an sein Volk. Meistens muss Ito Hirobumi dafür herhalten, wenn jemand weltliches ins Spiel kommen soll, aber die Ähnlichkeit ist schon recht groß. Ach ja und zumindest als ich vor 20 Jahren in Japan lebte sprach man beim Arzt noch von einer „Karte“. Die Kurzform für Patientenkarte- oder Akte.

Hatte ich schon das Bier gebraut nach deutschem Reinheitsgebot erwähnt?

Nun es gäbe noch vieles mehr und dann stolperte ich über jenes Schild:

Ich war sofort in meine ersten Wochen als Austauschstudentin zurückversetzt. Zwei junge Kerle bekamen mit, dass ich aus Deutschland war und dachten, dass sie mir einen Gefallen täten mich mit dem Hitlergruß zu grüßen. Schock schwere Not. Ich muss so entgeistert ausgesehen haben und war so echauffiert, dass ich ihnen nur mit Mühe und Not in extrem gebrochenen Japanisch erklären konnte, warum das ein ABSOLUTES no-go ist.

Nun das Deutsche Dorf zusammen mit dem Deutsch Haus erinnern zum einen an Kriegsgefangene aus dem 1. Weltkrieg und sind zur Völkerverständigung und friedliches Miteinander gedacht… Go figure


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