Wenn Du den Teller nicht leer isst, regnet es morgen! Oder: lesson learnt

Dass die Gastfreundlichkeit in Japan sprichwörtlich ist, weiß jeder, der einmal hier war. Welche Ausmaße das annehmen kann, habe ich heute erlebt!

Aber first things first: Gestern morgen (24.6) bin ich ganz früh von meiner Unterkunft aufgebrochen und mit Bus und Bahn zu Tempel 27 gefahren, den man eigentlich nur ganz früh morgens machen kann, denn wenn man ankommt und schon 20km gelaufen ist, braucht man über die 3,5 km hin und zurück nicht nachdenken.

Also eine Übernachtung, auf die ich gerne verzichte, denn bei der kommenden Großwetterlage kann es gut sein, dass ich irgendwo einen Tag Pause machen muss.

Glücklicherweise erwähnt der Reiseführer, den David Moreton ins Englische übersetzt hat, dass man fragen soll, ob man sein Gepäck in einem Laden lassen darf für den Aufstieg, da es der einzige Tempel ist, bei dem man den selben Weg zurückgeht, den man auch gekommen ist.

Paule fand’s super, mal nicht (O-Ton) „Zu so‘nem ollen Tempel geschleppt“ zu werden, sondern ein Schwätzchen halten zu können. Also bin ich ganz ungewohnt nur mit meiner Bauchtasche los.

Unterwegs begegnete mir ein Bauer, der mich mitleidig ansah und nur meinte, es wäre echt steil. „Echt steil „ habe ich ja schon ein paar mal gehabt und machte mich auf einiges gefasst. Das Gemeine ist, wenn man weiß, dass man von 5m in 3,5km auf 424m hoch muss und es am Anfang relativ entspannt ist. Ich hatte also für die ganze Strecke mit allem drum und dran 5 Stunden veranschlagt, nur um sicher zu sein und meinen Resttagesplan im Blick zu behalten.

Ich glaube inzwischen habe ich sowas wie Kondition aufgebaut, denn nach drei Stunden traf ich selbigen Bauern kurz vor dem Laden wo ich Paule geparkt hatte und er schaute mich nur überrascht an und sagte „hayai“ zu übersetzen mit dem deutschen Satz „Wow, Du warst aber schnell.“

Meine komische „health“ Funkion die ich heute im IPhone entdeckt habe, ist übrigens der Ansicht, dass ich 87 Stockwerke Treppen gestiegen bin. Das gab mir Zeit statt heute morgen schon gestern noch Tempel 28 mitzunehmen und dann zu meiner Unterkunft zu gelangen.

Als ich dort ankam fand ich diese zauberhaften Nachrichten und eine offene Tür.

Ich hatte bei der Buchung mit Essen angegeben und eigentlich hätte ich aus der Erfahrung meines letzten Aufenthalts mit zwei Mahlzeiten schlau geworden sein. Eine reicht gefühlt für 1-2 Tage. Innerhalb von 12 Stunden schaffe ich es jedenfalls nicht. Insbesondere nicht, seit dem ich wandere. Eigentlich sollte man ja denken, dass man dann noch mehr Hunger hat, aber weit gefehlt, weniger als Zuhause, was vielleicht auch mit der Hitze zu tun hat.

Also jedenfalls servierte mir meine Gastgeberin als sie kam erstmal Melone, Machamochi und selbstgemachten shiso und yuzu Sirup. Da war ich eigentlich schon satt…

Dann aber kam das Abendmahl:

Da sie nochmal weg war, bevor ich ins Bett ging, hatte ich keine Gelegenheit ihr zu sagen, dass ich auf Grund der Wettervorhersage schon morgens um 5 loswollte und leider auf das Frühstück verzichten würde. Ich hatte eh noch keinen Hunger. Als ich aufbrach hatte ich ja keine Vorstellung davon, was mich 2 Stunden später erwarten würde…

Ich genoß Kühle des Morgens, Es hatte nachts geregnet , war aber trocken. In den Bergen konnte man aber bereits den Regen heranziehen sehen. Mein Weg führte mich durch Reisfelder, Libellenschwärme und Froschwanderungen, vorbei an Kranichen und kleinen Weilern.

Gegen sieben, also kurz bevor der Tempel öffnete kam ich an einem Familymart vorbei und beschloß mir einen Kaffee zu gönnen. Ich hatte gut Strecke gemacht und ihn mir verdient. Ich saß also ganz gemütlich da und schaute in meinen Reiseführer um den Nächten Abschnitt zu planen, als plötzlich meine Gastgeberin von gestern vor mir stand!

Draußen gab es auch eine Sitzgelegenheit und sie bat mich nach draußen. Ich dachte mit nichts böses, es war ja ein angenehmer Tag und draußen eigentlich viel schöner, als sie zu ihrem Wagen sprang und ungelogen mit einem Frühstückstablet zurückkam, das genauso reich beladen war, wie das am Abend! Ich muss sie fassungslos angestarrt haben als sie mir erzählte, dass sie die Strecke, die ich gelaufen sein musste bis zum Tempel abgefahren war, um mich abzupassen….

Was soll ich sagen. Ich saß vor dem Essen wie das Kaninchen vor der Schlange und wusste nicht, was ich tun sollte. Wir einigten uns darauf, dass ich das was transportabel war als Bento mitnehmen würde und ich entschuldigte mich vielmals bei ihr. Wortreich und um Verständnis bittend. Die Rechnung folgte auf den Fuß: Morgen 75% Regenwahrscheinlichkeit, erwartete Regenmenge 47,7 Liter Tada…


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