Kinder mit ‘nem Willen kriegen was auf die Füße

Es ist der 19. Juni, ich sitze in einem Kaffee und lass die letzten 36 Stunden Revue passieren.

Richtig ich sitze im Café, denn heute ist aus gegebenem Anlass Café-Hopping angesagt.

Nach der Prüfung ging es meinen Füssen so richtig schneikies (ein Kunstwort der wunderbaren Angela Bergmann, dass sie immer statt dem klassischen S-Wort genutzt hat). Keine Blasen, nicht eine! Aber geschwollen und rot und kaum wieder zu erkennen, naja schon aber sie sahen aus wie nach einer durchsoffenen Woche ohne Schlaf.

Zu allem Überfluss war die Unterkunft irgendwie strange. Die Frau wollte das Geld erst nicht nehmen, sie wäre damit nicht so gut und morgen früh käme jemand der das machen würde. Ach, sie müsse eine Kopie des Ausweises machen? Nein, das ginge nicht, auch das morgen…. Das Zimmer war ja ganz nett, aber das es Wifi gab, habe ich erst später erfahren, also als ich schon wieder weg war und die Bewertung schreiben sollte. Und es stand mitten im Reisfeld. Japankenner wissen was das bedeutet. Frösche, lauter als die Polizei- und Krankenwagensirenen im Wedding und das DIE GANZE NACHT. Aber der Blick aus dem Fenster am morgen war traumhaft.

Nun dachte ich, dass ich entspannte 13km bis zum nächsten Tempel hätte, weil ich ja am Tag vorher ziemlich weit gelaufen war….Ach ja, wer zählen kann ist klar im Vorteil. Irgendwie waren es dann plötzlich doch noch 18 und es gab verschiedene Routen. Die eine war einen Tick länger, dafür kaum Höhenmeter nach oben, sondern nur nach unten (ich liebe Google Maps). Aber natürlich war der extra Kilometer nicht der Preis, den ich zahlen musste, der kam in Form eines:

Also immerhin steht links, dass man auf Fußgänger acht geben soll und es gab auch eine Art Bordstein auf dem man laufen konnte, aber ich hatte keine Ahnung, dass es etwas gibt, dass schlimmer sein kann als 800m Brücke. Ich hätte ja gerne gesagt Augen zu und durch, aber ich habe mich sicherheitshalber für Augen auf entschieden.

Am Wegesrand waren immer wieder diese kleinen Stände, die mir den Weg bis zum Udon Restaurant, das nicht Ruhetag hat (Notiere, Dienstags in Japan auf dem Land ist Ruhetag!) mit Nahrung überbrückt.

Und die Nacht habe ich in einem sehr schnuckeligen Minshuku verbracht, von wo aus ich heute morgen noch 16 & 17 rauchenden Fußes gemacht habe, bevor ich in den Zug gesprungen und nach Tokushima gefahren bin.

Asphalt treten

Hat meinen Füßen dann den Rest gegeben. Ich LIEBE meine Vibram five finger, aber dafür sind sie einfach nicht gemacht. In den vielfachen Pausen, die ich machen musste um nicht vor Wut und Schmerzen zu schreien, habe ich meinen ganzen Tagesplan zweimal umgestellt und ein drittes Mal mitten in der Nacht, als der Jetlag wieder voll zugeschlagen hat. Das Ergebnis: neue Schuhe, ein Ruhetag und eine grundlegende Erkenntnis: Ich war schon mal an diesem Punkt, vor ca 3 Jahren, als ich den Jakobsweg gelaufen bin und eine ganze Weile brauchte bei mir anzukommen und auf das zu hören, was jetzt gerade richtig ist. Diesmal haben meine Füße mich wieder ausgebremst und scheinen gerade klarer zu denken als ich.

Ich komme immer wieder zu dem Begriff “Awakening” zurück und hoffe, dass das mein wake-up call war und jetzt nicht noch irgendwas Dramatisches passiert…


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