Das Leben ist kein Ponyhof

Tag Nummer 2 und nachdem gestern alles gut geklappt hat, war ich für heute äußerst optimistisch. Der Wetterbericht hat entspannte 24 Grad mit leichter Bewölkung vorhergesagt und meinen Füssen ging es erstaunlich gut. Ich bin bis jetzt noch nie ohne Blasen nach 20km mit Gepäck weggekommen. Insbesondere wenn die Schuhe zwar eingelaufen aber. Noch nicht in Dauerbelastung waren.

Heute sollten es nur knapp 16 sein, da morgen die erste „Prüfung“ sein wird. Soll heißen, dass die Steigung so charmant ist, dass man für 12 km gut 6 Stunden rechnen muss.

Einen kleinen Vorgeschmack habe ich heute bei Tempel 10 bekommen: “Ab hier steigen Sie 333 Stufen”, steht auf dem Stein

Vielleicht lag es daran, dass ich das andere Paar Vibram anhatte, aber ab km 13 war bei mir die Luft raus und zu spät stelle ich fest, dass der Weg zu meiner Unterkunft über eine Brücke führt… Wer von euch den Camino Blog gelesen hat, weiß, dass ich Brücken also längere Brücken zu Fuß zu überqueren hasse und gerne Mal einen kleinen Nervenzusammenbruch am anderen Ende bekomme. Als ich dann auf die Karte sah, glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen: 800m ….. Umdrehen und 7km Umweg laufen kam gar nicht in Frage. Also 8 0 0 m Schritt für Schritt für Schritt

Glücklicherweise haben die Japaner eine Liebe für Sicherheit (im Gegensatz zu den Spaniern) bei ihren Brücken und die guten Nachrichten sind: ich habe es ohne Probleme, wenn auch extrem langsam geschafft.

Nur um dann beim Einkauf zu merken, dass ich meine Visakarte verloren habe. Ja, genau die Visakarte, mit der ich Geld hier abhebe und Dinge bezahle... (Aline, ich weiß genau, dass Du gerade “Mensch, Jansen!” gedacht hast hihihihi)

Don`t Panic!

Steht auf meinem Lieblingsreiseführer. Leichter gesagt als getan mit Geld für eine Woche im Gepäck. Nachdem ich meinen Rucksack komplett ausgepackt hatte und klar war, dass die Karte irgendwo rausgerutscht sein musste, kam Plan B. Auf irgendeinem Blog hatte ich gelesen, dass man mit Maestro EC Karten auch bei einem der 24/7 Läden Geld holen kann, also bin ich nochmal los, um mein Glück zu versuchen.

Kennt ihr diesen einen Moment, wenn man seine Karte in einen Automaten steckt und sich nicht sicher ist, ob man sie je wieder sehen wird… Jaja, Herzsutra und nicht an weltlichen Gütern festhalten. Glücklich war ich dann aber doch, als ich meine wiederbekommen habe und Gott sei Dank mit Geld. Phew!

Passiert alles nur im Kopf

Jetzt sitze ich hier und frage mich, wie ich den Weg morgen schaffen soll. Neben meinen 5kg Gepäck muss ich mich auch versorgen und dazu zählen mindestens 2 Liter Wasser, denn in den Bergen ist nichts, außer vielleicht ein paar Schlangen.

Wie bereits gesagt, gilt der erste Abschnitt durch die Provinz Tokushima als “The Dōjō of Resolving To Awaken” und die Strecke morgen als Prüfung. Ich habe ca 13 Stunden (hier wird es früh dunkel) für ca. 24km von Yoshino km 35 bis kurz vor km 60 und irgendwie müssen mein Kopf, meine Füße und ich noch aushandeln, wer die Oberhand wann haben darf.

Wenn dieser Artikel morgen rausgeht, lebe ich entweder noch und bin auf dem Weg zu meiner Unterkunft oder ich bin in den Wäldern verschollen….

Und noch ein paar Bilder von heute:


2 thoughts on “Das Leben ist kein Ponyhof

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