„Warum eigentlich Japan?“ oder “Gibt es immer einen Grund?“

Jetzt bin ich am Ende des Fluges nach Osaka angekommen. zwei Nonnen neben mir, ein Hustinettenmonster hinter mir und ich habe in guter Witchfinder Pulsifer Manier (please refer to “Good Omens”) meinen personalisierten Bildschirm außer Gefecht gesetzt…

Deshalb nutze ich die Zeit zum Schreiben.

Ich bin mir wohl bewußt, dass es fast wie grotesk erscheinen mag, wenn man in Anbetracht von Friday for Future 12.000 km fliegt, um dann 1200 km zu Fuß um eine Insel zu laufen. Eigentlich kann es dafür keinen sinnvollen Grund geben. Auf der Suche nach dem Ikigai zu sein kann man doch sicherlich auch anders.

Warum also Japan?

Immer wieder, wenn das Gespräch darauf kommt, dass ich Japanisch studiert und in Japan gelebt habe, werde ich gefragt: “Warum eigentlich Japan?” Und immer wieder antworte ich, dass ich es nicht wisse und das stimmt bis zum heutigen Tag.

Bücher sind gefährlich

Wer von euch dieses Gespräch mit mir gehabt hat, der wird sich vielleicht erinnern, wie ich dann von Kawabata Yasunaris Buch “Schönheit und Trauer” erzählt habe und wie es bei mir eine Sehnsucht auslöste die 108 Glockeschläge im Chion-In zu Neujahr zu hören und das Herbstlaub in Arashiyama zu sehen.

Manchmal erzähle ich auch die Geschichte von dem Wort in einer Übersetzung, einem Onomatopoetika zu allem Überfluss, das sich angeblich nicht übersetzen und mir keine Ruhe ließ und mich dazu brachte meine Stelle als Bankkauffrau zu kündigen. 8 Buchstaben: “geta geta”.

Der Übersetzer des Buches, der die Behauptung in einer Fußnote aufstellte,entpuppte sich als einer meiner Dozenten und gut zwei Jahre lang ging es immer wieder um diesen Ausdruck, wenn wir aufeinander trafen. Bis er eines Tages sagte: “Stephanie, gehen Sie nach Japan, kommen Sie zurück und dann reden wir nochmal.”

Ich ging nach Japan, ich lief durch die alten Straßen von Kyoto umgeben von “geta geta” Und musste mir eingestehen, dass es keine adäquate Übersetzung gibt. Wir haben keinen designierten lautmalerischen Ausdruck für Holzsandalen, die über das Kopfsteinpflaster klappern.

Als ich zurück kam lenkte ich ein und verstand endlich, dass Sprache nicht nur Worte, sondern vor allem auch Kultur sind.

Der Unterschied zwischen wie und warum

Wer von euch genau hingehört und mitgelesen hat, dem wird aufgefallen sein, dass ich zwar das “wie” damit beschrieben habe, aber noch immer nicht das “warum”.

Was ist der Unterschied fragt ihr euch vielleicht. Nun beide Geschichten sind wahr und gehören zusammen, aber sie beschreiben nur den Anlass und geben damit eine Antwort, wie ich nach Japan kam. Aber eben nicht was der Grund dafür ist.

Muss es immer einen Grund geben?

Ja, es gibt immer einen Grund, auch wenn man ihn nicht immer (gleich) versteht. Manche vielleicht sogar nie. Und sehr oft erschließt er sich erst aus der Rückschau und ich bin mir sicher jeder von euch kennt das. Dazu gäbe es viel zu erzählen, aber ein andermal.

Inzwischen bin ich gut in Osaka gelandet, habe noch 3 Stunden Busfahrt und eine 30 minütige Zugfahrt hinter mich gebracht und bin jetzt wohlbehalten, aber vollkommen übermüdet in Bando, dem Ausgangsort angekommen. Heute kann ich nur noch schlafen, aber morgen gibt es schon jetzt viel zu erzählen.


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